Kulturpolitischer Aschermittwoch 2018

Am Aschermittwoch jeden Jahres lädt der Kulturkreis Bonn die kulturpolitisch Verantwortlichen und Interessierten zu einem „kulturpolitischen Aschermittwoch“ ein. Am 14. Februar war nach Peer Steinbrück, Norbert Lammert und Alfred Brendel die nordrhein-westfälisch Ministerin für Kultur und Wissenschaft Isabel Pfeiffer-Poensgen zu Gast. Die Eröffnungsrede für den Kulturkreis hielt Marlies Schmidtmann vom Sprecherkreis.

Marlies Schmidtmann
Kulturpolitischer Aschermittwoch 2018

Sehr geehrte Frau Ministerin,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrter Herr Professor Berg,
liebe Gäste,

liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Bonner Kulturkreis!

In diesem Jahr begehen wir den Kulturpolitischen Aschermittwoch in der jetzigen Form bereits zum 7. Mal, was im Rheinland schon längst über die Zahl hinausgeht, bei der etwas zur Tradition wird, ist das doch hierzulande bereits beim dritten Mal der Fall.

Mein erstes Dankeschön richte ich deshalb im Namen des Kulturkreises an den Hausherrn des Kunstmuseums, Herrn Prof. Berg, in dessen schönem Foyer wir bereits, heute mitgezählt, 6 Jahre zu Gast sein durften. Im vergangenen Jahr feierten wir erstmals auf der Opernbühne, wohin uns Generalintendant Dr. Bernhard Helmich dankenswerterweise einlud.

Sehr herzlich danken möchte ich auch den Sponsoren, die zur Finanzierung des heutigen Abends beigetragen haben – und natürlich der „Gesellschaft der Freunde des Beethoven Orchesters Bonn“, die für den organisatorischen Teil des Kulturpolitischen Aschermittwoch verantwortlich zeichnen. Namentlich nennen möchte ich dabei Herr Professor Schlottmann und Felix von Hagen.

Last but not least möchte ich noch Herrn Klevenhaus und seinem Team danken, die uns wie in jedem Jahr wieder kulinarisch verwöhnen. Es sind wie immer viele Menschen, die zum Gelingen eines solchen Abends beitragen. Ihnen allen gebührt unser Dank.

Beim letzten Beethovenfest übernahm der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, die Schirmherrschaft und hielt eine beeindruckende Rede, in der er u.a. sagte, dass für ihn Bonn die Kultur-Hauptstadt des Landes NRW sei. Natürlich erhielt er für diesen Satz nicht nur spontanen Applaus, sondern auch die große Sympathie der Bonner.

Dass Sie, sehr geehrte Frau Pfeiffer-Poensgen, als die neue Ministerin für Kultur und Wissenschaft unserer Einladung gefolgt sind, verstehen wir als weitere Wertschätzung für Bonn von Seiten der Landesregierung. Wir danken Ihnen herzlich dafür, dass Sie uns schnell zugesagt haben als wir Sie kurz nach Ihrem Amtsantritt zu diesem kulturpolitischen Aschermittwoch eingeladen haben.

Bonn ist in der Tat hinsichtlich der Vielfalt seiner Kulturszene eine reiche Stadt… Und die Augen und Ohren der gesamten Welt werden sich im Jahre 2020 auf diese Stadt richten, in der Ludwig van Beethoven geboren wurde, in der er 22 Jahre lebte und arbeitete, und dessen 250. Geburtstag die gesamte musikalische Welt im Jahre 2020 feiern wird.

In Bonn gibt es natürlich nicht nur Beethoven. Ein zweiter großer Komponist, Robert Schumann, hat einige Zeit hier gelebt und ist hier gestorben. Auch August Macke, einer der bedeutendsten deutschen Maler des 20. Jahrhunderts war zeitweise Bonner Bürger, um nur die wichtigsten Namen zu nennen. Übrigens haben das Beethoven-Haus, das Schumann-Haus und das Macke-Haus gemeinsam, dass es sie ohne bürgerliches Engagement nicht gäbe. Die Stadt hat sich jeweils vornehm zurückgehalten. Ein Modell für die Zukunft muss das nicht sein!

Zu Bonn gehört neben dem städtischen Theater mit der Oper, auch unser Beethovenorchester und das städtische Kunstmuseum, in dem wir heute zu Gast sind. Dazu kommen mit der Bundeskunsthalle und dem „Haus der Geschichte“ wichtige Institutionen des Bundes und mit dem LVR-Landesmuseum auch des Landes, sowie eine breite private Theater- Musik- und Kunstszene. Bei der Musikszene möchte ich exemplarisch gerne das Jazzfest und bei der Kunstszene den Bonner Kunstverein nennen.

Aber diese so kulturreiche Stadt musste andererseits erleben, dass z.B. das 1995 als Filiale des Münchner Deutschen Museums in Bonn gegründete gleichnamige Museum, Ende 2018 geschlossen werden sollte, weil der Rat die Zuschüsse gestrichen hatte. Verhindert wurde das durch engagierte Privatinitiativen und die Bonner Wirtschaft.

Noch nicht erreicht hat dieses Ziel das 1981 gegründete Frauenmuseum, damals das einzige seiner Art weltweit. Es kämpft noch immer ums Überleben.

Das „Junge Theater Bonn“, das vielfach ausgezeichnet wurde und mit rund 150 000 Besuchern pro Spielzeit das bestbesuchte Kinder- und Jugendtheater Deutschlands ist, erhält mit Abstand die niedrigsten öffentlichen Zuschüsse aller vergleichbaren Theater. Eine etwas höhere finanzielle Unterstützung der öffentlichen Hand scheint jetzt endlich in Reichweite, und ist auch unbedingt erforderlich, damit das „Junge Theater Bonn“ seine wichtige und erfolgreiche Arbeit fortsetzen kann.

Das Euro-Theater-Central, eine private Einrichtung mit einem außergewöhnlich breit gefächerten, auch fremdsprachigen Programm, das einer UN-Stadt sehr gut ansteht, muss ebenso um seine Existenz kämpfen, da die wirklich nur marginalen Zuschüsse der Stadt nun auch noch gestrichen werden sollen.

Dass die Kommunen kein Geld haben, ist hinlänglich bekannt.

Bei der Gründung unseres Kulturkreises im Jahre 2011 gab es eine Maxime:

Wir wissen, dass gespart werden muss!

Aber eines kann und darf nicht sein: Dass ausgerechnet in der Kultur überproportional gespart werden soll!

Allein die inzwischen 65 Mitgliedsvereine des Kulturkreises repräsentieren mehr als zehn Prozent der wahlberechtigten Stadtbevölkerung. Sie alle wehren sich gegen ein solches Sonderopfer Kultur.

Und allen damaligen Gründungsmitgliedern war ebenfalls klar: „Nur zusammen sind wir stark und können unsere Interessen vertreten.“

Wir sollten als Kulturkreis diese Maxime nicht vergessen!

Noch haben wir eine eigene Oper in Bonn. Die Bestrebungen einer Fusion mit der Kölner Oper, die es einst gab, sind zumindest im Augenblick vom Tisch. Herr Oberbürgermeister, es ist gut, dass Sie hier nicht in der Kontinuität ihres Vorgängers stehen. Man sieht: Personelle Erneuerung bietet für die Kultur auch Chancen!

Wir freuen uns auch darüber, dass Sie, Herr Oberbürgermeister, bei Kulturveranstaltungen häufig zu sehen sind, auch wenn es Ihre Amtspflichten nicht verlangen. Dieses Vorbild darf in der Kommunalpolitik durchaus Schule machen.

Wer am kulturellen Leben der Stadt teilnimmt, kennt auch die Zukunftsprobleme. So ist das Opernhaus dringend sanierungsbedürftig. Assoziationen mit der Kostenexplosion und dem Lotteriespiel „Zeitplan“ – wie bei der Beethovenhalle – sind kaum noch zu verdrängen. Sollte sich die Stadt in ein zweites Wagnis stürzen, eines, das wieder in der bitteren Erkenntnis enden wird, dass Sanierungen am Bestand teurer werden als ein Neubau? Noch ist alles offen….

Und vielleicht sind wir ja als gebrannte Kinder auch lernfähig und begreifen, dass man zunächst über grundsätzliche Lösungen nachdenken und diskutieren sollte, ehe man sich an einer Standort-Debatte aufreibt.

Übrigens stand in der monatlich erscheinenden Zeitschrift der Theatergemeinde zu diesem Thema kürzlich zu lesen: „Wenn eine neue Oper, dann auch gleich mit einem Konzertsaal auf internationalem Niveau, wie es der Beethovenstadt entspricht“.

Dem kann man nur zustimmen, denn Mehrzweckhallen erfüllen diesen Anspruch nicht.

Haben Sie Dank, liebe Frau Pfeiffer-Poensgen, dass Sie diesem „Bericht aus Bonn“ zugehört haben. Ich wollte auch Ihnen bewusst die kulturelle Lage in Bonn aus meiner Sicht schildern.

Und nun sind wir sehr gespannt, wie sich die Kulturpolitik aus der Sicht des Landes darstellt.

Dafür gehören nun das Mikrofon und unsere ungeteilte Aufmerksamkeit Ihnen.

Wir freuen uns auf Ihre Rede, in der Sie über „Kultur in Stadt und Land“ zu uns sprechen wollen.

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